Er ist ja gekommen!

J. Rufinatscha

I

Ach, zwei Tage sind verflossen,

seit ich Karlen nimmer sah,

sitze, sitze unverdrossen,

jetzt und jetzt wohl ist er nah!

Horch! da tönet Sterbgeläute

dumpf und schaurig aus der Weite.

War so traurig, farbgebrochen,

als er scheidend mich geküsst:

und doch hat er nicht gesprochen,

was ihm auf dem Herzen ist!

Horch! da tönet Sterbgeläute

dumpf und schaurig aus der Weite!

Dass er sie im Scheiden letze,

hat die Nacht er durchgewacht.

Ach, um wie viel Liebesschätze

hat die Mutter ihn gebracht!

Horch! es tönet Sterbgeläute

dumpf und schaurig aus der Weite!

Angetan in Trauerfloren,

nassen Augs kam er herein;

alles habe ich verloren,

nun, ach, bleibst du mir allein!

Horch! da tönet Sterbgeläute

dumpf und schaurig aus der Weite!

Nein, du hast dich nicht betrogen,

ruh am treuen Herzen mir!

Vieles hat dir Gott entzogen,

doch die Liebe lässt er dir!

Horch! es tönet Sterbgeläute

dumpf und schaurig aus der Weite!

II

"De profundis." Erst Geflimmer der Lichter,

dann die Bahre, mit Blumen geziert,

kündet den Jüngling die stummen Gesichter

aller, sie sind von Schmerzen gerührt.

Auch Clarina kommt mit der Schar,

"De profundis", es naht sich die Bahr'!

Sag, was will denn die düstere Menge,

dass sie nimmer den Blick von ihr lässt?

und das Zischeln und Stimmengedränge,

störend des Grabgesangs trauriges Fest?

Doch sie stört nicht das düstre Geschrei:

"De profundis!" die Bahr' zieht vorbei.

Und sie betet: Gott meines Herzens,

wenn ein Mädchen den Armen geliebt,

so erbarm dich und lohne Schmerzen,

der nur Tod den Liebenden gibt!

Schenk ihr Frieden im tödlichen Fieber,

"De profundis", die Bahr' ist vorüber!

III

Von der Terrasse

blickt noch die Fromme,

ob er die Gasse

her noch nicht komme,

seufzt sie und spähet,

bis das Seh'n ihr vergehet!

Zögerst so lange!

Deiner Geliebten

wird, ach so bange!

O, der Betrübten!

Hast nicht vernommen:

Ist ja gekommen!