Ingeborgs Klage
J. Rufinatscha
Herbst ist es nun,
Nimmer die Stürme des Meeres ruhn.
Ach, doch vom Hause wie gerne
Säß ich noch ferne!
Lange gesehn
Hab' ich gen Westen das Segel hinwehn.
Darf es doch Frithjof auf weiten
Meeren geleiten!
Bläuliches Meer,
Eilend ja geht es; o schwelle nicht mehr!
Zeiget dem Segler, ihr Sterne,
Wege der Ferne!
Kommt nun der Mai,
Kehrt er -- nicht kommt die Geliebte herbei,
Nicht ihm entgegen im Saale,
Nicht auch im Thale.
Lieget im Staub,
Kalt und erblichen, der Liebe Raub;
Oder sie blutet darnieder,
Opfer der Brüder.--
Falke, der blieb,
Nun bist du mein; o wie hab ich dich lieb!
Fliegender Jäger, dich hegen
Will ich und pflegen;
Ihm auf der Hand,
Wirk' ich dich hier in des Teppiches Rand,
Silbern die Schwingen zu schauen,
Golden die Klauen.
Falkschwingen nahm
Freja sich einstens und suchte, von Gram
Rings durch das Weltall getrieben,
Öder, den Lieben.
[Liehest du hier
Mir auch die Schwingen], was hülfen sie mir?
Kann doch der Tod mir nur bringen
Himmlische Schwingen!
Jäger so schön,
Mir von der Schulter aufs Meer sollst du sehn!
[Sehen wir sehnend auch immer,
Kehrt er doch nimmer.]
Bin ich nun todt,
Kehret er sicher; vernimm mein Gebot:
Grüße mir Frithjof! Nicht wehren
Wird er den Zähren.