Sängers Morgengang
J. Rufinatscha
Der Sänger grüßt auf stiller Au,
in früher Morgenkühle,
die Blumen all im Silbertau
mit frommem Saitenspiele.
Und sieh, sein heller Saitenklang
weckt sie hervor mit süßem Drang
aus gold'nen Traumes Schleier,
in stiller Morgenfeier.
Sie blicken auf zum Himmelsblau,
zum weiten, unbegrenzten,
und Tränen auf der weiten Au
aus tausend Äuglein glänzen.
Wie ist dem Sänger da zumut',
wie pocht sein Herz, wie wallt sein Blut,
wie möcht' er mit den Düften
empor auf wilden Lüften.
Wie glüht sein Sinn, wie wallt sein Sang,
wie möcht' er alles sagen!
Wie strebt er's aus in vollem Klang
zu singen und zu klagen!
Sein Auge glänzt so licht und klar,
die Lüfte weh'n im Lockenhaar,
in seinen blassen Zügen
scheint Himmlisches zu liegen.
Doch zu den Blumen sinkt er hin,
es ruh'n die holden Töne,
aus seinem Aug spricht tiefer Sinn
und glänzet hell die Träne.
Und über ihm weht Himmelsblau
und rings um ihn der Blumen Tau,
im weiten Heiligtume
er selbst die schönste Blume.