Ach Äsculapi, wohl erfahr'n

J. Schein

Ach Äsculapi, wohl erfahr'n,

der du mit deiner Kunst

erlanget vor viel hundert Jahr'n

bei allen Göttern Gunst,

sieh' nur, Amor, das kleine Kind,

welch's noch dazu ist gar stockblind,

tut dich weit avanzieren.

Ein Herzlein, auf den Tod verwund't,

macht's in ei'm Augenblick gesund,

so bald kann es kurieren.

Kein' Arzenei, kein Kräutelein

das lose Schälklein braucht:

Wenn's nur ein krankes Herzelein

mit seinem Mund anhaucht,

von Stund' an neue Kraft behend'

empfind't davon der Patient,

als wär' ihm nichts gewesen.

Ganz wunderlich in einem Nu

die Liebes-Wund' heilt wieder zu,

und ist das Herz genesen.

D'rum billig singt der Hirten Chor

zu Ehr'n dem Göttelein:

O viva, viva, viv' Amor,

dazu die Mutter sein,

so hat gebor'n ein solches Kind,

ob's von Natur schon ist gar blind,

kann doch mit seinen Pfeilen

ein Herzelein durch List und Tück'

verwunden in ei'm Augenblick

und so bald wieder heilen.