Ach, edles Bild

J. Schein

Ach, edles Bild

von Tugend mild,

wie tust du mich so kränken,

dass du nicht hier

bist stets bei mir,

mein Herz will sich versenken.

Ach, wenn ich doch

dich sehe noch,

o süßer Schatz, mein Leben,

wollt ich gar weit

mein Traurigkeit

dem Meer tun übergeben.

Nun liebst du mich,

gleich wie ich dich,

so lass es doch auch merken

und gegen mir,

ach, schönste Zier,

beweis' es mit den Werken.

Von Herzen tief

schreib' mir ein' Brief,

weil wir weit sein gescheiden,

und tu damit

nach meiner Bitt'

lindern mein großes Leiden.

Nach dir mein Sinn

tut seufzen hin.

Kann aber nicht geschehen,

dass ich so bald,

mein' Aufenthalt,

in Freuden dich mög' sehen.

Dieweil das Glück

mit seiner Tück',

o weh, o weh, o Klagen,

mich schwitzend heiß

von meiner Reis'

tut wieder zurück jagen.

Ach, liebstes Herz,

bedenk den Schmerz,

den dieses Lied dir klaget

und dir mein Treu

ohn Heuchelei

ganz trauriglich ansaget.

Bald mir gewähr',

was ich begehr',

schaff, dass ich Labsal finde.

Ob ich schon leid',

wünsch ich dir Freud',

dem lieben Himmelskinde.