Ach Filli, Schäf'rin zart

J. Schein

O Filli, Schäf'rin zart,

Wär' ich ein's deiner Schäfelein,

Würd' ich nach Hirtenart

Dir besser angelegen sein;

Ab'r so tust du mich allweg meiden,

das bringt mir unaussprechlich' Leiden!

Ach Filli lobesam,

Wär' ich ein grünes Bäumelein!

Würd'st du dich zu mir nah'n,

Unt'r meinem Schatten schlafen ein;

Ab'r so ich schlafen muß alleine,

Deswegen seufze, klag und weine.

Ach Filli hochgebor'n,

Wär' ich ein klein' Waldvögelein!

Würd' ich dein leise Oh'rn

Beweg'n mit meinem Stimmelein;

Ab'r so mein Seufzen, Klag und Flehen

Tut all's in Wind vorübergehen.

Ach Filli, Wälder-Zier,

Wär' ich ein klares Brünnelein!

So badest du an mir

Dein nackend zartes Leibelein;

Ab'r so mir nicht zu gut kann werden,

Daß ich dich bloß anseh' auf Erden.

Drum, o Cupido blind,

Verwandel' mich der Filli mein

Zum Schäfelein geschwind

Od'r zu eim grünen Bäumelein,

Od'r lass mich als ein Vöglein singen

Od'r als ein Brünnelein entspringen!