Amor, das blinde Göttelein

J. Schein

Amor, das blinde Göttelein,

hat moch ja wohl vexieret!

Unlängst in einem Gärtelein

saß es und lamentieret,

kunnt' sich so kläglich stellen,

als hätt's sein zartes Füßelein

getreten in ein Dörnelein,

dass es davon tät' schwellen.

Was g'schicht? Ich armer Coridon

Laß mir's zu Herzen gehen,

Verhoff' des kriegen guten Lohn,

Will nach sei'm Füßlein sehen.

Als ich's aufhub gar sachte,

Da schnellt' das kleine Schälkelein

Ein Pfeil von seinem Bögelein

Tief in mein Herz und lachte.

Ach weh! sprach ich, ist das der Lohn

Für mein bärmlich Mitleiden?

Ach, ach, mir armen Coridon!

Nun kenn ich erst die Kreiden,

Daß es Betrug gewesen!

Drum Filii zart, der Wälder Zier,

Du kannst noch einig helfen mir,

Sonst werd' ich nicht genesen.