Amor, wie ist dein' Lieblichkeit
J. Schein
Amor, wie ist dein' Lieblichkeit
So gar ein bitter's Leiden;
Du machst mir so viel Traurigkeit,
Dass ich so oft muss meiden
Mein einig' Freud',
Bei der allzeit
Ich stets mir wünsch' zu wohnen,
Dein' Diener treu
Mit Heuchelei
Und Flaschheit tust ablohnen!
Mein Kraft ist schwach, verkehrt mein Sinn,
Durch dein Geschoß verwundet,
Mein Herz im Leib wird fahren hin,
Ob ich mich wohl erkundet,
Arznei behend'
An allen End',
Kann mir doch niemand helfen,
O weh, mein' Wund',
Nimmt zu von Stund',
Es ist umsonst mein Gelfen.
Ob sich's bisweilen schon anläßt,
Als wollt' sie sich verkleinen,
Bleibt es doch nicht beständig fest,
Wie ich wohl tät' vermeinen,
Dieweil der Pfeil,
Der mir in Eil',
Mein Herz ganz tät' aufspalten,
Noch steckt darin,
Herz, Mark und Sinn,
Elend plagt mannichfalten.
Rühmst du dich dennoch Lieblichkeit
Und freundliches Wohlleben,
Magst wohl sein eine Bitterkeit,
Die mich noch bringt ums Leben,
Heißt zwar Amor,
Bist Amaror,
Die du gar manchem Ritter
In großer Not,
Ja auch im Tod
Bist g'nug gewesen bitter.