Villanella

J. Schein

Frau Venus in ihr Gärtelein

zur Lust hat eingepflanzt

ein schön leibfarbes Blümelein

mit ei'm Staket umpflanzt.

Neptunus aus dem Elebstrom,

so nah dabei hinfloss,

damit's frisch blieb' und nicht umkomm',

dasselb' täglich begoss.

Hirt Coridon sein Schäfelein

unlängst dabei hintrieb,

ansichtig ward dies Blümelein,

warf darauf große Lieb'.

Er sprach alsbald ganz unverhohl'n:

Das Blümlein muß ich ha'n,

hab' ich mein Tag gleich nichts gestohl'n,

so fang' ich jetzund an.

Er sah sich um auf alle Ort',

ob er auch wär' allein.

als er nun niemand sah und hort',

kroch er gar leis' hinein.

Das Blümelein er bald umgrub

und mit sei'm Stab losmacht',

mit Wurzeln aus der Erden hub,

also davon es bracht'.

G'schwind lief er zu sein' Schäfelein,

und trieb sie eilend fort;

dacht', es will hie kein Harrens sein,

zu weiden an dem Ort:

Ich hab' nun mein lieb Blümelein,

darnach mir war so jach;

Gott helf', daß mir's bekleibe fein,

und viel mehr Blümlein trag'!