Beim Regen
J. Schulz
Von neuem sehn wir's offenbar,
Daß Gott uns nie vergißt,
Daß Gott zum jeder Stund' im Jahr
Der beste Vater ist.
Da gießt nach langem Sonnenbrand
Sein Regenguß aufs dürre Land.
Du lieber Gott, wie traurig sah's
In Garten, Wies' und Feld!
Verdorrt war Korn, Gemüs' und Gras;
Das Laub von Hitz' enstellt;
Vor dickem Staub erkannte man
Nicht Wegewart noch Wandersmann.
Die welken Ähren neigten sich,
Und gelblich ward ihr Grün;
Der zarte Flachs schwand sichtbarlich
Erstickt von Unkraut hin.
Matt schlich das Vieh zur Weid' hinaus,
Und kehrte matter noch nach Haus.
Des Futters und der Milch beraubt,
Wehklagte Kalb und Kuh.
Wir standen mit gesenktem Haupt,
Und sahn dem Jammer zu,
Und seufzten auf: du lieber Gott!
Gib' uns und unser Kindern Brot!
Doch allbarmherzig' schauet Er,
Der Vater, uns're Mühn.
Am Himmel sahn wir ferneher
Gewölk' wie Schäfchen ziehn;
Und näher zog in raschem Lauf
Das schwarz gedrängte Wetter auf.
Rings schwand, in Wolkennacht verhüllt,
Des Himmels lichtes Blau;
Und Regen rauschte kühl und mild,
Auf Garten, Feld und Au.
Und Donner jauchzten durch die Nacht,
O Vater, deiner Lieb' und Macht!
Wie frisch erhebt der Halm sein Haupt!
Wie blüht der Flachs so blau!
Wie steht der Baum so neubelaubt,
So glänzendgrün die Au!
Und welch ein übersüßer Duft
Füllt ringsumher die kühle Luft!
Das alles, lieber, guter Gott!
Hat deine Macht gethan!
Verschwunden ist des Winters Noth,
Die wir mit Schrecken sahn!
Drum laß uns immer dir vertraun,
Und nie so ängstlich vorwärts schaun!