Das Vögelein
J. Schulz
Ich kenn' ein Vöglein. Wenn wir dies
Seltsame Vöglein singen?
Es soll sein süßes Singen
Wie Zauber uns durchdringen.
Doch singt es nur: Vergiß!
Wer uns den Vogel gar entriß':
Schlecht würden wir's ihm danken!
Verliebten, die sich zanken,
Und den genes'nen Kranken
Ruft er: Vergiß! Vergiß!
Unhörbar ist er Wittwen, bis
Sich zeigt ein neuer Freier.
Dann zupft er an dem Schleier
Und singt die alte Leier:
Vergiß! Vergiß! Vergiß!
Im Wochenbette hat gewiß
Er seinen Sitz erkoren.
Dem Weiblein, hat's geboren
Klingt's gleich in beide Ohren;
Vergiß! Vergiß! Vergiß!
Doch wißt, ihr Schönen! Wenn ich dies
Seltsame Vöglein fange,
Gleich hört es auf mit Sange.
Wird um das Herz euch bange? --
Sing, Vöglein! sing: Vergiß!