Der Kuckuck
J. Schulz
Der alte Faun.
Der Kuckuck trau'rte
Im finstern Strauch;
Ein Specht belau'rte
Den armen Gauch;
Was trauerst du Kuckuck? so fragte der Specht.
Ach! sprach er, deß hab' ich ein trauriges Recht.
Chor der Faunen.
Der arme Kuckuck!
Der alte Faun.
Dem Adler raunet
In's Ohr Herr Zeus,
Und wann er launet,
So spricht er: scheuß
Mit Dornen bewaffnet vom Himmel herab,
Und kehre der Sterblichen Statt' in ein Grab!
Chor der Faunen.
Der arme Kuckuck!
Der alte Faun.
Des Donnergottes
Gekränkte Frau
Vergißt des Spottes,
Und kraut den Pfau;
Und ruhend im Wagen auf schwellendem Flaum
Lenkt Cypris die Täubchen mit purpurnem Zaum.
Chor der Faunen.
Der arme Kuckuck!
Der alte Faun.
Die Lerche schwinget
Sich aus der Au',
Und steigt und singet
Im Morgenthau;
Es singt Philomela das Bächlein entlang,
Und Götter und Menschen entzückt ihr Gesang!
Chor der Faunen.
Der arme Kuckuck!
Der alte Faun.
Mein schwacher Fittig
Tragt mich nicht weit;
Der bunte Pfittich
Beschämt mein Kleid;
Ach, könnt' ich nur zwitschern, wie Hänfling und Spatz,
So nähm' ich mit Ehren doch auch meinen Platz!
Chor der Faunen.
Der arme Kuckuck!
Der alte Faun.
Da lacht' in's Kröpfchen
Der lose Specht:
Du armes Tropfchen,
Wohl hast du recht!
Doch ehre dich selber, mein Freund, und bekuck'
Dich selber, und rufe dir selber: Kuckuck!
Chor der Faunen.
Und rufe: Kuckuck!
Der alte Faun.
Und ihm behaget
Der Rath noch itzt,
Und eh' es taget,
Und spät noch, sitzt
Der Kuckuck und rufet; doch fliegt er empor,
So jaget ihn spottend ein zwitscherndes Chor.
Chor der Faunen.
Der arme Kuckuck!
(Vier Faunen ergreifen den Theopompos und
tragen ihn in den Wald hinein. Man hört noch
ihre Stimmen, bis sie sich verlieren.)
Der arme Kuckuck!
Ha! ha! ha! ha!
Der arme Kuckuck!
Ha! ha! ha! ha!