Die sieben Hügel

J. Schulz

Auf grüner grüner Heide

Stehn sieben Hügelein.

Es flüstern Wind' im schaurigem Thal,

Es tanzen Elfen auf mondlichem Stral.

Singt, Mädlein, auf grüner Heide,

Singt: Leide! Leide! Leide!

Im tiefen Wiesengrunde

Glänzt fern ein Weiher hell.

Es klagen Unken aus tiefem Moor,

Es steigen Gebilde so dunstig empor.

Singt, Mädlein, auf grüner Heide,

Singt: Leide! Leide! Leide!

Hier war vor grauen Jahren

Ein König, reich und groß.

Er war gezogen in Krieg und Schlacht,

Hatt' nicht der sieben Töchterlein dacht.

Singt, Mädlein, auf grüner Heide,

Singt: Leide! Leide! Leide!

Die sieben Jungfraun wallten

Im hohen Buchenhain.

Es rauschte das Meer mit nichtigem Schaum,

Es sauste der Sturm im luftigen Baum.

Singt, Mädlein, auf grüner Heide,

Singt: Leide! Leide! Leide!

Es schwellen weisse Seegel

Vom Kullafelsen her.

Ach! Starno kömmt, der wilde Held!

O König! Wie hast du dein Haus bestellt?

Singt, Mädlein, auf grüner Heide,

Singt: Leide! Leide! Leide!

Ans weisse Sandgestade

Steigt schnell das Kriegesheer.

Die Jungfrau'n fliehen Berg ab und an,

Verfolgt von Reuter, von Roß und Mann.

Singt, Mädlein, auf grüner Heide,

Singt: Leide! Leide! Leide!

"Wir sah'n euch schnell und sicher,

"Ihr weissen Vögelein,

"Zu Spott und Hohn; wir fangen euch aus;

"Der Vater kann finden das leere Haus!"

Singt, Mädlein, auf grüner Heide,

Singt: Leide! Leide! Leide!

Wie Blätter vor dem Sturme,

Entflohn die Mägdelein;

Doch dicht am wehenden Schleierlein,

Verfolgten die Reiter sie hinter drein.

Singt, Mädlein, auf grüner Heide,

Singt: Leide! Leide! Leide!

Da glänzt im Abendstrale

Der kühle Weiher hell;

Drein hüpften die Mägdlein leicht und schön,

Und wurden nimmermehr gesehn.

Singt, Mädlein, auf grüner Heide,

Singt: Leide! Leide! Leide!

Auf grüner grüner Heide

Stehn sieben Hügelein.

Dort ruh'n die Jungfrau'n im kühlen Moos,

Dort klagen die Vöglein im Maigesproß.

Singt, Mädlein, auf grüner Heide,

Singt: Leide! Leide! Leide!