Frühlingsliebe
J. Schulz
Die Lerche sang, die Sonne schien,
Es färbte sich die Wiese grün,
Und braun geschwollne Keime
Verschönten Büsch' und Bäume!
Da pflückt' ich am bedornten See
Zum Strauß ihr, unter spätem Schnee,
Blau, roth und weißen Güldenklee.
Das Mägdlein nahm des Busens Zier,
Und nickte freundlich Dank dafür.
Nur einzeln grünten noch im Hain
Die Buchen und die jungen Mai'n,
Und Kresse wankt' in hellen
Umblümten Wiesenquellen:
Auf kühlem Moose, weich und prall,
Am Buchbaum, horchten wir dem Schall
Des Quelles und der Nachtigall.
Sie pflückte Moos, wo wir geruht,
Und kränzte sich den Schäferhut.
Wir gingen athmend, Arm in Arm,
Am Frühlingsabend, still und warm,
Im Schatten grüner Schlehen
Uns Veilchen zu erspähen:
Roth schien der Himmel und das Meer;
Auf einmal strahlte, groß und hehr,
Der liebevolle Mond daher.
Das Mägdlein stand und ging und stand,
Und drückte sprachlos mir die Hand.
Rothwangig, leichtgekleidet saß
Sie neben mir auf Klee und Gras,
Wo ringsum helle Blüthen
Der Apfelbäume glühten;
Ich schwieg; das Zittern meiner Hand,
Und mein bethränter Blick gestand
Dem Mägdlein, was mein Herz empfand.
Sie schwieg, und aller Wonn' Erguß
Durchströmt' uns beid' im ersten Kuß.