Gesang der Leibeigenen beim Erntekranz

J. Schulz

Die Scheun' ist vollgedrängt von Garben,

Die wir durch Pflug und Säns' erwarben;

Denn Gott belohnt den Fleiß!

Hier bringen wir im Festgesange

Den Ährenkranz mit Sensenklange,

Und troknen uns den Schweiß!

CHORUS

Doch ach! wir sind leibeigen!

Nur leichter ward das Joch!

Die Herrschaft, fromm und gut,

Wie kann' sies sehn, und schweigen?

Wir sind ia Menschen doch!

Für uns auch banden wir die Garbe!

Daß weder Vieh noch Mensch hier darbe,

Ist unsers Herrn Gebot.

Im Misiahr selbst ein milder Speiser,

Erbaut und schüzt er Ställ' und Häuser,

Und steuert aller Noth.

(

CHORUS

Nicht sclavend mehr, wie Pferd' und Rinder,

Sind wir des guten Vaters Kinder,

Und lernten menschlich seyn.

Hier iammert niemand ungerichtet;

Vernunft und Liebe heilt und züchtet

Uns Kinder groß und klein.

(

CHORUS

Geübt wird hier in Gottes Tugend

Und Häuslichkeit die frohe Jugend?

Sie schreibt und rechnet schon;

Der Knabe pflegt des Obstes Schule,

Das Mädchen Nadel, Knütt' und Spule;

Auch klingt Gesang und Ton.

(

CHORUS

Nicht fühllos achten wir des Segens:

Wir freun uns Sonnenscheins und Regens,

Des Regenbogens auch.

Gesegnet sei des Dorfs Berather!

So ruft dein Volk, und nennt dich Vater,

Vergnügt bei Kohl und Lauch.

(

CHORUS

Nicht brauchst du durch des Zwanges Gewalten

An deiner Scholl' uns fest zu halten:

Wir lieben unsern Herrn.

Du hörst des jungen Freiers Bitte;

Von Kindern wimmelt iede Hütte;

Denn alles dienet gern.

(

CHORUS

Wohl waren deiner Väter Väter

An uns sehr guter Thaten Thäter;

Der Dank war Leibesfrohn!

Doch haben wir bald abverdienet?

Wird doch selbst Missethat gesühnet,

Du, guter Väter Sohn!

(

CHORUS

Der Vater Aller liebt zur Gabe

Dir volles Maß der Lebenshabe,

Um vielen wohlzuthun!

Bald wirst auch du, nicht mehr geniessend,

Nicht mehr der Brüder Gram versüssend,

Bei deinen Vatern ruhn!

(

CHORUS

Dann stehen wir am Grab', und weinen,

Wir Mann und Weib, im Arm die Kleinen!

Dann herrscht ein neuer Herr!

Wer schenkt uns, daß er ruhig sterbe,

Wer schenkt uns Freiheit und ein Erbe?

Wer löst die Ketten, wer?

(

CHORUS