Verhalten des Christen bei Irrenden

J. Schulz

Nie will ich meinen Bruder richten,

Wenn sich sein müder Fuß verirrt,

Nie seine Fehler klügelnd sichten,

Da Gott sie sichten wird.

Beweinen will ich die Verirrung,

Die ihn des bessern Lichts beraubt;

Ach! in der denkenden Verwirrung

Hat er sich klug geglaubt.

Vielleicht hat er mit treuem Herzen

Der Wahrheit redlich nachgespürt,

Bis ihn die Welt mit ihren Scherzen

Dem guten Pfad entführt.

Sollt' ich ihn durch Verfolgung trinken,

Ihn, den mir Gott zum Bruder schuf?

Nein! Gutes will ich von ihm denken;

Dieß ist der Menschheit Ruf.

Mit Eifer will ich für ihn beten,

Der in geheimer Stille glüht,

Und dann im Glauben vor ihn treten,

Daß er mich wandeln sieht.