Die verlassene Mühle

J. Söderman

Das Wasser rauscht zum Wald hinein,

er rauscht im Wald so kühle,

wie mag ich wohl gekommen sein

vor die verlaßne Mühle?

Die Räder stille, morsch, bemoost,

die sonst so fröhlich herumgetost,

Dach, Gäng' und Fenster alle

im drohenden Verfalle.

Allein bei Sonnenuntergang

da knisterten die Äste,

da schlichen sich den Bach entlang

gar sonderbare Gäste,

viel Männlein grau, von Zwergenart,

mit dickem Kopf und langem Bart,

sie schleppten Müllersäcke

daher aus Busch und Hecke.

Und alsobald im Müllerhaus

beginnt ein reges Leben,

die Räder drehen sich im Saus,

das Glöcklein schellt daneben;

die Männlein laufen ein und aus,

mit Sack hinein und Sack heraus,

und jeder von den Kleinen

scheint nur ein Sack mit Beinen.

Und immer toller schwärmten sie

wie Bienen um die Zellen,

und immer toller lärmten sie

durch das Getos der Wellen;

mit wilder Hast das Glöcklein scholl

bis alle Säcke waren voll,

und klar am Himmel oben

der Vollmond sich erhoben.

Da öffnet sich ein Fensterlein,

das einzige noch ganze,

ein schönes, bleiches Mägdelein

zeigt sich im Mondesglanze

und ruft vernehmlich durchs Gebraus

mit süßer Stimme Klang hinaus:

"Nun habt ihr doch, ihr Leute,

genug des Mehls für heute!"

Da neigt das ganze Lumpenpack

sich vor dem holden Bildnis,

und jeder sitzt auf seinem Sack

und reitet in die Wildnis;

Schön Müllerin schließt's Fenster zu

und alles liegt in alter Ruh,

des Morgens Nebel haben

die Mühle ganz begraben.

Und als ich kam am andern Tag

in trüber Ahnung Schauern,

die Mühle ganz zerfallen lag

bis auf die letzten Mauern;

das Wasser rauschet neben mir hin,

es weiß wohl was ich fühle,

und nimmermehr will aus dem Sinn

mir die zerfallne Mühle.