Der Gast

J. Staudigl

Schon klopft es dumpf an meine Türe wieder;

ein alter Gast - wie sollt' ich ihn nicht kennen,

hohläugig, bleich; mich schaudert's, ihn zu nennen!

Er tritt herein und setzt sich zu mir nieder,

umarmt mich; kalt sind seine Riesenglieder,

allein die Strahlen seiner Blicke dringen

mir tief ins Herz. Könnt' ich mich von ihm trennen!

Er hält mich fest und seufzt: „Sind wir doch Brüder!

Schau her, hier bring' ich neue Lebensscherben.

Erstorb'ne Tage sind's, teure Leichen, nicht wahr?

Wir wollen beide auch bald sterben.“

Er küsst mich, will noch fester mich umschlingen.

Ich ring' mit ihm und kann ihm nicht entweichen;

es ist der Gram, ihm kann ich nicht entrinnen.