Mit dem Kranz von wilden Rosen

J. Staudigl

Mit dem Kranz von wilden Rosen,

Abgepflückt in Lebens-Wildniß,

Send' ich dir im Geist mein eig'nes,

Schlichtes, aber treues Bildniß.

Findest du, daß Geist und Leben

Und des Herzens Schlagen fehle,

Werd' ihm, was du mir gewesen,

Werde seines Daseins Seele.

Findest du, daß stumm die Lippe,

Sagt es dir kein Wörtchen wieder,

Löse ihm wie mir die Lippe,

Daß es singe Wehmuths-Lieder.

Wenn du einst hast mein vergessen,

Wenn du einst wirst mein nicht denken,

Bitt' ich dich die Sterbe-Bitte,

Dieses Bildniß zu versenken,

Einzugraben in die Erde,

Gleich als ob ich's selber wäre

Und die Erde zu benetzen

Mit der letzten Mitleids-Zähre;

Und zu meines Bildes Grabe

Wird mein Herz den Weg mir zeigen,

Und ich will zu meinem Schatten,

Selbst ein Schatten niedersteigen.