Das zärtliche Mädchen

J. Štěpán

O willkommen, stille Haine!

Daß in eurer Dunkelheit

Ich um meinen Fernen weine,

Thränen heisser Zärtlichkeit.

Hier, wo einst in Wonnestunden,

HIngegossen auf das Gras,

Ich von seinem Arm umwunden

Glücklich auch die Welt vergaß.

Wo, bei sanftem Händedrücken,

Ich mit ihm durchs Dunkel ging,

Unterdeß an meinen Blicken

Feuervoll der seine hing.

O da lispelt' er bescheiden

In mein Ohr die Liebe Schwur;

Und es schien an unsern Freuden

Theil zu nehmen die Natur;

Denn es lispelten die Quelle

Und die Abendwinde mit,

Frischer war die Rasenstelle,

Jedes Blümchen aufgeblüht.

Aber jetzo klagt die Quelle,

Seufzt der Abendwind um ihn,

Auf die welke Rasenstelle

Sinken matt die Blumen hin.

Dennoch, wenn ein rauschend Blättchen

Diese leise Seufzer stört,

Glaubt sein liebesieches Mädchen,

Daß es seinen Fußtritt hört.

O daß es nicht mehr sich täusche,

Komm, es ladet dich der Hain,

Dieser Quelle Klaggeräsche,

Diese kranken Blumen ein.

Über Felder, über Klippen,

Walle, Flüchtiger, dein Fuß;

Komm, schon glüht auf meinen Lippen

Dir der Liebe Freudenkuß.