Ja, ja, ich schweige, liebste Seele
J. Štěpán
Ja, ja, ich schweige, liebste Seele!
Mein Herz beklagt sich ferner nicht.
Daß dich kein stummer Vorwurf quäle,
Erheitert sich auch mein Gesicht.
Die Seufzer will ich unterdrücken
Und die Empfindlichkeit ersticken.
Ich will -- doch nein! es ist unmöglich:
Dich aufzugeben wird zu schwer!
O Tod! zu dir, wie seufz' ich täglich,
Taub gibst auch du mir kein Gehör?
Verzieh', mein Kind, ich kann den Zähren,
So gern ich will, den Lauf nicht wehren.
Doch dich soll ja mein Schmerz nicht rühren;
Mein Weh' sei nur ein Weh' für mich.
Geh' hin, dein Glück ganz auszuführen;
Du bist ganz frei, nichts hindert dich.
Mein Glück, mein Heiligthum, mein Leben,
Dein Herz will ich dir wieder geben.
Nimm's, blutend hab' ich mir's entrissen,
Selbst meine Seele hing daran.
Doch, Freundin, dich beglückt zu wissen,
Was hätte nicht dein Freund getan!
Nimm's, einen ander'n es zu schenken,
Und denk' nicht erst, ob's mich wird kränken.
Mein kannst und sollst du niemals werden;
So reiche deine Hand nur hin
Dem durch dich Glücklichsten auf Erden;
Weil ich doch dein nicht würdig bin.
Doch bei den lauten Hochzeitfreuden
Denk' einmal mich noch und mein Leiden.
Doch nein; ich würde dir erbarmen;
Und du sollst froh und ruhig sein.
Leb' ewig wohl in ander'n Armen,
Vergiß auf mich und meine Pein,
Und schenk' vergnügt mit deinem Gatten
Einst eine Träne meinem Schatten.