Klagen

J. Štěpán

Ach! an dem Ufer dieser Quelle

Hab' ich Damöten oft gesehn.

Wie sanft floß sie mir da, wie helle!

Und ach! wie war Damöt so schön! -

Wie? seufz' ich? geb' ich deinen Schmerzen,

O Liebe, noch Gehör?

Schweig, zärtlichstes von allen Herzen!

Du liebst ihn ja nicht mehr.

Fand ich sein Auge sanft geschlossen,

Wie hab' ich ihn nicht oft erschreckt,

Und ihn mit Bluhmen übergossen,

Und dann mit Küssen aufgeweckt! -

Wie? seufz' ich? geb' ich deinen Schmerzen,

O Liebe, noch Gehör?

Schweig, zärtlichstes von allen Herzen!

Du liebst ihn ja nicht mehr.

Oft, eh die Lerche noch erwachte,

Strich ich schon einsam durch die Au,

Und pflückte, bis sein Blick mir lachte,

Für ihn schon Veilchen voller Thau! -

Wie? seufz' ich? geb' ich deinen Schmerzen,

O Liebe, noch Gehör?

Schweig, zärtlichstes von allen Herzen!

Du liebst ihn ja nicht mehr.

Dann glänzte mir aus seinen Blicken

Der Liebe süße Trunkenheit,

Und jeder Ausdruck war Entzücken,

Und jeder Kuß war Seligkeit! -

Wie? seufz' ich? geb' ich deinen Schmerzen,

O Liebe, noch Gehör?

Schweig, zärtlichstes von allen Herzen!

Du liebst ihn ja nicht mehr.

Einst wollt' ich zornig von ihm fliehen:

Er bat mit schönem Ungestüm,

Und eh er bat, ward ihm verziehen,

Und fast vor Lust starb ich mit ihm! -

Wie? seufz' ich? geb' ich deinen Schmerzen,

O Liebe, noch Gehör?

Schweig, zärtlichstes von allen Herzen!

Du liebst ihn ja nicht mehr.

Nun scheint er Chloen nachzugehen

Und meinen Blick beschämt zu fliehn.

Nun mag er um Verzeihung flehen:

Umsonst! dieß wird ihm nicht verziehn! -

Wie? seufz' ich? geb' ich deinen Schmerzen,

O Liebe! noch Gehör?

Ja, zärtlichstes von allen Herzen,

Du liebst ihn noch zu sehr!