Seid mir gegrüßt, ihr Täler der Gebeine

J. Štěpán

Seid mir gegrüßt ihr Thäler der Gebeine,

Seid mir gegrüßt: wie ruhig wallt mein Blut!

Empfanget mich, daß ungesehn ich weine,

Wo meine Doris ruht.

Ach, steig herab von deinen Herrlichkeiten

Ins stille Thal, wo meine Flöte klagt!

Sie klagt umsonst in öden Einsamkeiten,

Und jammert bis es tagt.

Wo wandelst du, umglänzt von Himmelsfreuden?

Ach, hörst du noch des Erdenpilgers Lied?

Kennst dieses Herz, das noch im Schoos der Leiden

Für dich, o Theure! glüht.

O heilig Grab, und ihr geweihten Glieder,

Zwar Erdenstaub, doch den ein Engel trug;

Ach, stieg' ich bald zu eurer Ruh' hernieder!

Es ist genug! -- genug!

Du willst, o Tod? -- Das Rauschen deiner Flügel

Schreckt nicht den Geist, den beß're Freude lohnt.

O leite mich auf jene sel'gen Hügel,

Wo meine Freundin wohnt.

Ich dulde gern! -- Doch, Vater, ist's dein Wille,

Nur einen Strahl in meine Schwermuthsnacht!

Entlasse mich aus dieser morschen Hülle,

Die schöner einst erwacht.

Ich seh'! -- ich seh'! in strahlenvollen Reihen

Dort wandelt sie! -- Ihr Antlitz lacht mir Ruh'!

Er kömmt, er kömmt der Tod, mich zu befreien,

Sanft fällt mein Auge zu.