An den Mond
J. Sterkel
Ich seh durch Tränenbäche
Dich Mond, du Bild der Ruh!
Auf diese Meeresfläche
blickt Niemand hin als du!
In dieser ernsten Stille
sei dir, du Gott der Nacht,
der tiefsten Wehmuth Fülle
Zum Opfer dargebracht.
Oft tanzt ich, frei von Kummer,
in deinem schönen Licht,
oft winkte mir zum Schlummer
dein lächelndes Gesicht.
Und jetzt hass ich die Freude,
und flieh vor Angst die Ruh:
und du siehst meinem Leide
vielleicht mit Mitleid zu!
Von Menschen ausgestoßen,
komm ich verscheucht zu dir:
sieh Tränen! o sie flossen
noch nie so hell als hier!
nie glückt es meinem Herzen
still wie die Nacht zu sein;
nie bracht die Nacht die Schmerzen
so tief zur Seele ein.
Du Zeuge meiner Qualen,
kannst du vorübergehn?
Ach, laß in deinen Strahlen
mich eine Rettung sehn!
O Mond, wenn auf dem Meere,
das oft dein Blick durchlief,
ein Freund, ein Retter wäre:
so zeig ihm doch mein Schiff!