Der Knabe an das blüm'gen Vergissmeinnicht

J. Sterkel

Dich auch so grausam abzubrechen! --

Nicht wahr, mein Blümchen, kannst du sprechen,

Du würdest sagen: thu es nicht! --

Allein vergib mir armen Knaben,

Ich thu es nur um Trost zu haben;

Gewiß! aus Muthwill thu ichs nicht.

Ich hab' ein Mädchen -- o wir liebten

Uns sonst so herzlich; wir betrübten

Uns niemals, weder ich noch sie.

Den Tag, als sie mit süssen Blicken

Mir Kirschen bot vom Ast zu pflücken,

Den schönen Tag vergeß' ich nie.

Daß sie mich einst noch sollte kränken,

Wie hätt' ich so was können denken

Von ihr! und doch hat sie's gethan.

Ach, jedem Steine möcht' ichs klagen --

Ich wollt ihr neulich etwas sagen;

Sie ging, und sah mich nicht mahl an.

Gott! kann mich Lottchen so betrüben!

Mein Lottchen kann mich nicht mehr lieben?

Und wüst' ich wirklich nur, warum?

Ich habe schon so viel geweinet,

So viel gefragt: allein wie's scheinet,

So kümmert sie sich wenig drum.

Komm, komm, ich will dich zu ihr tragen,

Mein Blüchen, und ihr flehend sagen:

Sieh, Lotte, hier! -- Vergißmeinnicht! --

Und will sie dich von mir nicht nehmen,

So will ich mich zu Tode grämen.

Gott oben, der vergißt mich nicht!