Die vier Träume

J. Sterkel

Es ruhet in dämmernder Ferne ein Land,

Da wandeln vertraute Gespielen:

Das zieht uns, wie liebliche Feenhand,

Zu alten, vergess'nen Gefühlen.

Wir segnen die Hütte, die Wiese, den Baum,

Und beseufzen den seligen Knabentraum.

Es weht wie aus glücklichen Zonen die Luft,

Es säuselt wie Seufzer der Liebe;

Es athmet, wie milder Drangenduft,

Die verschwiegene Laube der Liebe.

Ein Plätzchen so klein, so unendlich der Raum

In des Jünglings berauschendem Wonnetraum'!

Es röthet die Frucht sich in goldenem Strahl,

Der Aether wird hell und wird trübe;

Es tönet wie Flöten der Nachtigall

Das Wiegenliedchen der Liebe.

Doch enger und enger wird der Raum,

Und der Mann verlernt seinen Jugendtraum.

Die Dämm'rung wird tiefer, und kühler umweht

Uns der Flügel des Abends; die Töne

Der Liebe verstummen, die Hoffnung nur steht

Am Grab' mit der himmlischen Thräne.

Wir ruhen im Schatten und segnen den Baum,

Und belächeln des Lebens flüchtigen Traum.

Dann wandeln wir wieder zur Wiege zurück,

In die Kindheit, ins freundliche Leben;

Und es dämmert in jene Ferne der Blick,

Wo die holden Erscheinungen schweben.

Und noch ein Mal wird uns unendlich der Raum,

Eh' wir scheiden vom letzten Lebenstraum'.