Drang der Liebe
J. Sterkel
Was ist das, so mit allen meinen Kräften
an dich allein vermochte mich zu heften?
Durch welche Macht kehrt jeder meiner Blicke
zu dir zurücke?
Was ist's, dass mich im Wachen und im Schlummer
dein Bild umschwebt, das Traurigkeit und Kummer
und Untreu' selbst, so tief mein Herz empfindet,
noch fester bindet?
Lass Jahre über unser Haupt entfliehen,
lass unser'n Sommer, unser'n Herbst verblühen;
vergiss, dass mich mit heißen Trieben
auch and're lieben.
Doch geh* ich bald bei ihrer Glut vorüber,
doch ist ein Wort von dir, ein Blick mir lieber,
als wann das ganze menschliche Geschlechte
mir Opfer brächte.
Unmöglich ist's, unmöglich, dich zu lassen;
so allgewaltig kann dein Blick mich fassen,
als wär' dein Geist vordem ein Teil gewesen
von meinem Wesen.
O möge nie die Bande einst verletzen,
die selbst den großen, furchtbaren Gesetzen
der ernster'n Zeit, die alles überwiegen,
nicht unterliegen.
Und sollt' ich ja in künftigen der Zonen
getrennt von dir in fremden Sphären wohnen,
doch würde stets mein ganzes inn'res Leben
nach dir nur streben.
Und suchen würd' ich dich, bis ich dich fände,
und dich so fest, so ich dich fassen könnte,
dass dich und mich die fernsten Ewigkeiten
nicht sollten scheiden.