Der Spaziergang im Biengesumme

J. Stern

Sie

Mein Schatz, wir wollen spazieren gehn,

Ich will die blühenden Bäume besehn,

Doch wenn ich mich soll erfrischen,

So brumme du nicht dazwischen!

Er

Mein Schatz, du schaust in die Wipfel hinan,

Da siehst du und hörst (und erfreuest dich dran)

Der Bienen geschäftiges Summen;

Was ärgert dich denn mein Brummen?

Sie

Mein Schatz, ihr Summen ist süßer Erwerb,

Dein Brummen aber ist Lustverderb,

Und dienet nicht Süßigkeiten

Wie ihr Gesumm zu bereiten.

Er

Mein Schatz, und ersummen sie Honigseim,

So kann ich erbrummen auch einen Reim.

Sie saugen für sich die Seime,

Ich aber für dich die Reime.

Sie

Du sogest sie einst aus Scherz und Kuß;

Nun heut aus Unmuth und Verdruß?

Meintwegen, mein Schatz, so brumme!

Ich halt' es für Bienengesumme.

Er summet:

So lange sehn' ich dir entgegen,

So lange;

So bange harr' ich deinetwegen,

So bange!

Mir ist in der Erwartung Drange

Erwartung selbst erlegen;

Womit nun willst du, daß ich dich empfange?

Und endlich bist du nun gekommen,

O Holde,

Wie Abendhimmel angeglommen

Mit Golde,

Wie sich die Nachtviolendolde

Erschließt unwahrgenommen;

Der Frühling haucht in deines Odems Golde.

Darum hast du mich warten lassen,

Mein Leben,

Um überraschend mich zu fassen

Mit Beben.

Kann Säumniß Ueberraschung geben?

Der Sehnsucht Träum' erblassen,

Um in der Wonn' Erwachen zu verschweben.