Beatrix spricht

J. Weismann

Und weißt du, Liebster, manchmal dacht' ich heute

und dachte, wenn wir Kinder beide wären

und dann auf eine schöne Wiese gingen,

so gar nicht groß und voller Lieblichkeit,

und wenn wir Blumen pflücken dann und Halme,

die höher sind als wir und vieles schlanker,

und du mir dann die schönen Blumen nähmest

und lachend liefst mit allen meine Blumen

--ein böser Bube und ein kleines Mädchen--

und ich, ich säße da und weinte sehr,

verlassen auf der weiten, weiten Wiese

um diese ganze, große, schlechte Welt:

Das wäre wunderschön, o Liebster, nicht?

Und weißt du, Liebster, manches dacht' ich heute

und dachte, wenn wir alte Leute wären

und dann vor unserm kleinen Hause säßen,

so auf der lieben Bank am Feierabend,

und da die Menschen ab und zu spazieren

am Feierabend in der trauten Straße

-- wir kennen alle längst und alle uns --

und grüßen dann und einer stehen bleibt,

ein Alterchen, und nickt und spricht und nickt:

"Vor dreissig Jahren, ja, das waren Zeiten--"

und wir dann nicken und die Köpfe schütteln:

"Ja, ja, Herr Nachbar, wie die Zeit vergeht!"

und viele Kinder spielen laut um uns:

Das wäre wunderschön, o Liebster, nicht?

Und weißt du, Liebster, manches dacht' ich heute

und dachte ganz zuletzt ein Törichtes,

und ich getrau' es kaum zu sagen, Liebster,

so töricht dacht' ich; weißt du, was ich dachte?

"Wir wollen alle beide nimmer sterben!"

Das wäre wunderschön, o Liebster, nicht?