Inspiration

J. Wetzel

Nacht. Finsternis. In müder Hand

Laß ich von Tages lautem Tun

Abwärts zur ewigen Nacht gewandt

Die Stirne ruhn.

Wie still! Wie ohne Laut die Weite!

Kaum rauscht im Weg ein welkes Blatt,

Der Wolken dunkle Reise hat

Nicht Mond, nicht Sterne zum Geleite.

Langsam entgleitet meiner Brust

Der arge Stachel, unbewußt

Streift alles, was sie tags umgab,

Die Seele ab.

Was Tröstliches und Liebes ihr bekannt,

Tritt aus des Traumes Wunderheimatland

Vertraut hervor und neigt sich über sie.

O Seelentrösterin, sei mir willkommen,

Du Ahnungsvolle, deren Melodie

So oft den Alp von meiner Brust genommen!

Auf deine Stimme laß mich wieder,

Traumtiefer Born geschmückter Lieder,

Auf deiner Silbersaiten Rauschen

Entrückt und traumverloren lauschen!