Die Muschel
Jean Sibelius
Der wilde Strom, durch Wald und Feld
nimmt brausend er seinen Lauf;
was sich ihm alles entgegen stellt,
kein Hindernis hält ihn auf.
Die rauschenden Fluten, sie reißen mit,
was nur auf ihrem Weg
hindert und hemmt ihren hastigen Schritt,
die Steine, die Tannen, den Steg.
Nur eine Muschel auf moosigem Stein
blieb haften an diesem Ort,
dem Mächtigen trotzend ganz allein,
es schwemmt die Flur sie nicht fort.
Ob auch der Strom sie wild umtobt,
sie bleibt an dem heimischen Platz,
getreulich und in Gefahren erprobt
behütend den köstlichsten Schatz.
Ein barfüß'ger Knabe kam daher,
zu suchen Muscheln am Strand;
so kam es denn, daß glücklich er
dort jene Muschel fand.
Als er sie öffnete, was entdeckt
sein Blick in der Muschel Schooß?
Es lag eine Perle darin versteckt,
mild glänzend, rein und groß!
Als aber später ein eisiger Wind
den Strom in Fesseln dann schlug,
das allerschönste Königskind
die Perle am Busen trug.