Luonnotar
Jean Sibelius
Einst webte hoch in höchster Höhe,
einsam, Luonnotar, urerzeugt,
ein Kind urew'ger Natur.
Traurig trieb und trostlos hin ihr
trübes, nimmer frohes Dasein.
Steil zur Tiefe stieg sie nieder,
sank zur schauernden See hinab.
Sieben hundert und siebzig
Sonnenjahre zog flüchtig sie,
jene Jungfraue, fort und fern --
hin durch weite Wasserfluten.
Da steht auf ein wilder Sturmwind
und türmt heulend die Wellen hoch.
"Wehe, wehe, wehe, ach, mir Armen, warum atm' ich?!
Wahrlich, besser wär' mir wohl, blieb ich auf bleicher Höhe
leichter, lichter Lüfte, frohe, freie Jungfrau.
Ach, Ukko, hehrer, heil'ger Vater!
schicke Hilfe meiner Schande!"
Flink und flüchtig flattert her ein
Vöglein, flattert ostwärts, westwärts,
schwingt sich auf Mittag und Mitternacht
nirgends doch breitet sich ein Brutplatz ihm.
"Ei! Ei! Ei!
Häng' ich in die Winde mein Häuschen klein,
bau' ich auf die bitt're Meeresflut
mutig mein Bergenest,
zerstört's der Sturmwind mir,
spült es die wilde Welle weg wie Spreu."
Doch sieh', da streckt die Tochter der
Luft ihr Knie aus dem kühlen Strudel,
darauf baut der Vogel sein bergend Nest,
brütet bang die Brut.
Luonnotars Leib spürt bitt'rer Schmerzen Leid,
zurück reißt rasend sie ihr Knie,
tief in Tiefen das Nestchen taucht,
und der Braus zerbricht die Eier alle.
Doch herrlich stehen auf die Hälften,
denn aus dem höchsten Schwung der Schale
schmiedet sich des Himmels Schöne,
aus dem obern Mark des Weißen
wölbt sich des Mondes milder Weiher,
und aus den Sprenkeln
ersprießt das Sternenheer;
das himmlische Sternenheer.