Als ich klein war
Johann Abraham Peter Schulz
Es waren Zeiten einst; ich hieß der Kleine,
Mein ganzer Leib war einer Ellen hoch.
Mein Herz gedenkt der Zeiten, und ich weine,
Und drum gedenkt' ich ihrer immer noch.
Liebkosend drückt' ich meiner Mutter Wangen,
Und tummelte des lieben Vaters Knie,
Und kannte Mismut, Harm und Grillenfangen,
Nicht mehr, als Griechisch, Geld und Poesie.
Da schien mir unsre Welt von engern Grenzen,
Doch schien sie frömmer meinem holden Wahn.
Da sah ich droben goldne Nägel glänzen,
Und wünschte Taubenflügel, sie zu fahn.
Da sah ich dicht am Berg den Mond verschwinden,
Und dachte: Wär' ich droben nur dabei,
Ich würde schon den Grund des Dinges finden,
Wovon, wie groß, wie rund, wie schön er sei.
Da sah ich staunend Gottes Sonne sinken,
Weithin am goldnen Rand der weiten See,
Und wieder hochentzückt sie röthlich blinken
Mit frühem Strahl an ferner Bergeshöh.
Da dacht' ich dann an Gott des Vaters Gnade,
Der mich und diese schöne Sonne schuf,
Und diese jubelvolle Myriade,
Die überall entwimmelt seinem Ruf.
Mit Kindes-Andacht betete mein Lallen,
Mir gab es meine fromme Mutter ein:
O guter Gott, o laß vor dir mich wallen,
Mich weise, gut, und dir gehorsam sein.
So fleht' ich dann für Vater, Mutter, Schwestern,
Für unsern Nachbar, und die ganze Stadt,
Für unsern König, und den Greis, der gestern
Gebeugt und schwach um eine Gabe bat.
Sie schwanden hin, die unschuldsvollen Jahre,
Und all mein Glück, und meine Ruh entwich.
Nur die Erinn'rung blieb. -- O Gott, bewahre
Nur diesen Trost mir ewig, ewiglich!