Frühlingslied eines gnädigen Fräuleins

Johann Abraham Peter Schulz

Wie lange soll die Brunnenzeit

Der gnäd'gen Tante dauren?

Man muß in dieser Einsamkeit

Ja ganz und gar versauren!

Sie wird von Einfalt und Natur

Mich noch zur Närrin schwazen!

Was schiert mich Hain und Quell und Flur,

Und andre solche Frazen!

Des Abends hört man nur Musik

Der Frösch' und Heimchen schallen,

Und das abscheuliche Gequiek

Der dummen Nachtigallen!

Von Mücken wird man dann gepurrt,

Und wälzet sich im Bette;

Der Haushahn kräht; der Hofhund knurrt,

Und bellt, und zerrt die Kette!

Und liegt man kaum im ersten Schlaf,

Da geht es an ein Tuten!

Da brüllt der Ochs, da blöckt das Schaf,

Da wiehern Hengst' und Stuten!

Dann poltert Tante vor der Thür,

Fängt heiser an zu krähen:

Auf, Fräulein, auf! Du mußt mit mir

Der Sonne Aufgang sehen.

Da giebts nicht Kaffee oder Thee,

Noch Butterbrot mit Braten;

Ganz nüchtern, und im Negligee,

Muß man den Thau durchwaten.

Zwo Stunden wenigstens muß ich

Durch Dorn und Diesteln rennen,

Und von der Sonnenhitze mich

Zur Mohrin lassen brennen!

Und läutet man Glock zwölf zu Tisch;

So giebts nur Gras und Kräuter,

Nur saure Milch, ein Stückchen Fisch,

Ein Eichen, und so weiter.

Der Grobian vom Sudelkoch

Weiß nichts von Leckerbißchen!

Zum Nachtisch kommt aufs höchste noch

Ein Teller voll Radieschen!

Kein einzig Wörtchen hört man hier

Von Triktrak, Dam' und Karten;

Zum Zeitvertreibe schlendern wir

Ein Weilchen in den Garten.

Hätt' ich nicht meinen Amadis,

Mich zu desennüyiren;

Ich müßte schier vor Ärgernis

Und Langerweil krepiren!

Oft schleppen Ihre Gnaden gar

Mich zu der Baurkanaille,

Zu Kerln mit unfrisirtem Haar,

Und Menschen ohne Taille.

Besonders wenn das Lumpenpack

An Feiertagen kegelt;

Da stinkt es von Swizenttoback!

Da wird was rechts geflegelt!

Und in der Kirche gar zu sein,

Das ist nun ganz abscheulich!

Der Pfaffe predigt so gemein!

Das Volk thut da so heilig!

Was macht man da mit Stof und Uhr,

Mit Schmink' und Demantringen?

Hans Hagel glaubt, man sei da nur

Zum Beten und zum Singen!

Vermaledeites Einerlei,

Wirst du denn ewig dauren?

O laß mich, lieber böser Mai,

Zurück zu jenen Mauren!

Ach seht doch, in der blauen Fern,

Wie schön der Rauch sich hebet!

Du liebe Stadt voll junger Herrn!

Ach! wie das Herz mir bebet!