Spatz und Spätzin
Johann Baptist Zerlett
Auf dem Dache sitzt der Spatz,
Und die Spätzin sitzt daneben,
Und er spricht zu seinem Schatz:
"Küsse mich, mein holdes Leben!
Bald nun wird der Kirschbaum blühn;
Frühlingszeit ist so vergnüglich;
Ach wie lieb' ich junges Grün
Und die Erbsen ganz vorzüglich!"
Spricht die Spätzin: "Teurer Mann,
Denken wir der neuen Pflichten,
Fangen wir noch heute an,
Uns ein Nestchen einzurichten!"
Spricht der Spatz: "Das Nesterbau'n,
Eierbrüten, Junge-Füttern
Und dem Mann den Kopf zu kraun --
Liegt den Weibchen ob und Müttern."
Spricht die Spätzin: "[Du Barbar!
Soll ich] bei der Arbeit schwitzen,
Und du willst nur immerdar
Zwitschern und herumstipitzen?"
Spricht der Spatz: "Ich will dich hier
Mit zwei Worten kurz berichten:
Für den Spatz ist das Pläsier,
Für die Spätzin sind die Pflichten!"