Abendfeier
Johann Christian Baldewein
Abend war's -- in feierlicher Stille
Lag die aufgeblühte Gartenflur,
Über die ein leiser Laut der Grille
Wie ein tiefer Ahnungsseufzer fuhr.
Du erschienst -- o, wie zu ihrem Throne
Eine Fürstin tritt, so nahtest du;
Jeder Baum warf eine helle Krone
Seiner stillen Huldigung dir zu.
Unter weichen Nachtigallenschlägen
Taumelten vom hohen Rosenstock
Die verwehten Blüten dir entgegen,
Bräutlich zu bekränzen dein Gelock.
Selig, wie entzückte Wonneträume,
Liebeselig athmete der Hauch
Linder Lüfte durch die Myrtenbäume;
Liebestöne flüsterte der Strauch.
Und der Himmel stand in Sternenflammen;
Über deinem, über meinem Schwur
Schlug die feierliche Glut zusammen,
Die herab vom Stern der Liebe fuhr.
Unser Wandel schwebte fern, o ferne
Von dem Blick der wilden Grausamkeit;
Zeugen unsers Bundes waren Sterne,
Um uns lag der Ring der Ewigkeit.
Weg! hinweg die engen dunkeln Höhlen,
Wo das Leben sich gefangen hält!
Liebe lispelte: -- das Reich der Seelen
Ist die Erde nicht, es ist die Welt."