An den Schlaf

Johann Friedrich Hugo, Freiherr von Dalberg

Gott des Schlafes, Freund der Ruh,

Dessen dunkle Schwingen

Uns in sanftem süßem Nu

Zu den Auen bringen,

Die ein schöner Licht erhellt,

Wo in einer andern Welt

Harmonien klingen.

Frend der Menschen, holder Gott!

Unser halbes Leben

Ward, dem Ungemach zum Spott,

Deiner Hand gegeben,

Und sie herrscht im Reich der Ruh;

Purpurblumen läßest du

Auf uns nieder schweben.

Schönbekränzter Jüngling, sei

Sei auch mir willkommen!

Der so oft dem Sklaven treu

Seine Last entnommen,

Der die Fessel ihm zerschlug

Und durch neuen süßen Trug

Sein Gemüt entglommen.

Meiner Hoffnung Flügel hebt

Sich nur noch in Träumen.

Du, der sie mit Mut belebt,

Warum willst du säumen?

Komm mit deiner süßen Macht;

Laß, wie in der letzten Nacht,

Mich Verwandlung träumen.

Denn seit Psyche niedersank

In des Himmels Auen,

Sehnt sie sich, Äonen lang

Wieder aufzuschauen;

Und dem Flügel, den sie regt,

Den sie, ach, zerknickt bewegt,

Mag sie nimmer trauen.

Holder Schlaf, mit deinem Tau

Heilst du ihre Schwingen,

Mutig auf zur Lebensau

In das Land zu dringen,

Wo in reinem süßem Ton -

Augen sinkt! ich höre schon

Harmonien klingen.