Die Einsiedeley

Johann Friedrich Hugo, Freiherr von Dalberg

Amat nemus et fugit urbes.

Horat.

Es rieselt, klar und wehend,

Ein Quell im Eichenwald;

Da wähl' ich, einsam gehend,

Mir meinen Aufenthalt.

Mir dienet zur Capelle

Ein Gröttchen, duftigfrisch;

Zu meiner Klausnerzelle

Verschlungenes Gebüsch.

Zwar düster ist und trüber

Die nahe Wüsteney;

Allein nur desto lieber

Der stillen Fantasey.

Da ruh' ich oft im dichten,

Beblümten Heidekraut;

Hoch wehn die schwanken Fichten,

Und stöhnen Seufzerlaut.

Wo von Wacholdersträuchen

Den Kieselsteig hinan

Verworrne Ranken schleichen,

Da brech' ich mir die Bahn;

Durch des Gehaues Stumpen,

Wo wilde Erdbeern stehn,

Klimm' ich auf Felsenklumpen,

Das Land umher zu sehn.

Nichts unterbricht das Schweigen

Der Wildniß weit und breit,

Als wenn auf dürren Zweigen

Ein Grünspecht hackt und schreyt,

Ein Rab' auf hoher Spitze

Bemooster Tannen krächzt,

Und in der Felsenritze

Ein Ringeltäubchen ächzt.

Wie sich das Herz erweitert

Im engen, dichten Wald!

Den öden Trübsinn heitert

Der traute Schatten bald.

Kein überleg'ner Späher

Erforscht hier meine Spur;

Hier bin ich frey und näher

Der Einfalt und Natur.

O blieb' ich von den Ketten

Des Weltgewirres frey!

Könnt' ich zu dir mich retten,

Du traute Siedeley!

Froh, daß ich dem Gebrause

Des Menschenschwarms entwich,

Baut' ich hier eine Klause

Für Liebchen und für mich.