Die Silberquelle

Johann Friedrich Hugo, Freiherr von Dalberg

Hast, liebes Mädchen, frisch und jung,

Du jenen Mann gesehn,

In heißem Durst nach Labetrunk

Zur kühlen Quelle gehn?

Voll Sehnsucht bog er ihr sein Knie,

Und Göttin, Göttin nannt' er sie.

Und als sie seinen Durst gestillt

Mit ihrem süßen Trank;

Und neubelebt und Krafterfüllt

Er ihr zu Füßen sank;

Da schlief er ein und ohne Dank

Trug ihn hinweg ein loser Gang.

O Mädchen, wie die Quelle rein,

Unschuldig, frisch und schön,

Ach laß es nicht dein Schicksal seyn,

Laß nie dirs also gehn,

Daß wenn du andere erfreust,

Du selbst dir Thränenquelle seyst.