Der Rosenkranz
Johann Friedrich Reichardt
An des Beetes Umbuschung
Brach sie Rosen zum Kranz,
Feurig prangte die Mischung
Rings im tauigen Glanz.
Ros' auf Ros' in das Körbchen sank,
Purpurrot und wie Silber blank.
Zwar den Grazien heilig,
Sang sie, blühet ihr dort;
Warum aber so eilig
Abgeblüht und verdorrt?
Die sich eben geöffnet blähn,
Werden bald in dem Winde wehn.
Rund zusammen gefaltet,
Glühst du schwellend am Strauch;
Komm, o Rose: dich spaltet
Mein anathmender Hauch.
Ach! wir schwellen, wie du, und glühn;
Nur ein Lüftchen, und wir verblühn.
Du rotstreifiges Knöpfchen,
Zitternd scheust du dein Grab,
Und ein perlendes Tröpfchen
Hängt als Träne herab.
Bleib! du sollst in dem Sonnenschein
Dich des flüchtigen Lebens freun.
Mit tiefsinniger Säumnis
Flocht das Mädchen den Kranz,
In der Laube Geheimnis
Lieb' und Zärtlichkeit ganz.
Als aufs Haupt sie das Kränzchen nahm,
Wohl mir Seligem, daß ich kam!