Die Mutter bei der Wiege
Johann Friedrich Reichardt
Schlaf, süßer Knabe, süß und mild!
Du deines Vaters Ebenbild!
Das bist du; zwar dein Vater spricht,
Du habest seine Nase nicht.
Nur eben itzo war er hier,
Und sah dir in's Gesicht,
Und sprach: "Viel hat er zwar von mir,
Doch meine Nase hat er nicht."
Mich dünkt es selbst, sie ist zu klein,
Doch muß es seine Nase sein;
Denn wenn's nicht seine Nase wär',
Wo hätt'st du denn die Nase her?
Schlaf, Knabe, was dein Vater spricht,
Spricht er wohl im Scherz;
Hab' immer seine Nase nicht
Und habe nur sein Herz!