Turmwächterlied

Johann Hugo Christian Ludwig Herkules Staehle

Am gewaltigen Meer

In der Mitternacht,

Wo der Wogen Heer

An die Felsen kracht,

Da schau' ich vom Turme hinaus.

Ich erheb' einen Sang

Aus starker Brust

Und mische den Klang

In die wilde Lust,

In die Nacht, in den Sturm, in den Graus.

Dringe durch, dringe durch

Recht freudenvoll,

Mein Lied, von der Burg

In das Sturmgeroll,

Verkünd' es weit durch die Nacht,

Wo schwanket ein Schiff

Durch die Fluth entlang,

Wo schwindelt am Riff

Des Wanderers Gang:

Daß oben ein Mensch hier wacht:

Ein kräftiger Mann,

Recht frisch bereit,

Wo er helfen kann,

Zu wenden das Leid

Mit Ruf, mit Leuchte, mit Hand.

Ist zu schwarz die Nacht,

Ist zu fern der Ort,

[Da schickt er mit Macht

Seine Stimme fort]

Mit Trost über See und Land.

Wer auf Wogen schwebt,

Sehr leck sein Kahn,

Wer im Walde bebt,

Wo sich Räuber nah'n,

Der denke: Gott hilft wohl gleich.

Wen das wilde Meer

Schon hinunter schlingt,

Wem des Räubers Speer

In die Hüfte dringt,

Der denkt' an das Himmelreich.