Abschied vom Walde

(Johann Karl) Leberecht Baumert

O Täler weit, O Höhen,

o schöner grüner Wald,

du meiner Lust und Wehen

andächt'ger Aufenthalt!

Da draussen, stets betrogen,

saust die geschäft'ge Welt;

schlag' noch einmal die Bogen

um mich, du grünes Zelt!

Wenn es beginnt zu tagen,

Die Erde dampft und blinkt,

Die Vögel lustig schlagen,

Daß dir dein Herz erklingt:

Da mag vergehn, verwehen

Das trübe Erdenleid,

Da sollst du auferstehen

In junger Herrlichkeit!

Im Walde steht geschrieben

ein stilles ernstes Wort

vom rechten Tun und Lieben,

und was des Menschen Hort.

Ich habe treu gelesen

die Worte, schlicht und wahr,

und durch mein ganzes Wesen

ward's unaussprechlich klar.

Bald werd' ich dich verlassen,

fremd in die Fremde geh'n,

auf buntbewegten Gassen

des lebens Schauspiel seh'n.

Und mitten in dem Leben

wird deines Ernst's Gewalt

mich Einsamen erheben,

so wird mein Herz nicht alt.