An den Mond

Johann Rudolf Zumsteeg

Du blickst herab und scheinst zu fragen,

Was mich so quält;

Doch lange hab' ich meine Klagen

Dir vorerzählt,

Denn ach, bei deinem blassen Scheine

Floh er von mir,

Und lies auf immer mich alleine,

Drum wein' ich hier.

Hast du von deinen stillen Höhen

Hast du vielleicht

O lieber Mond! Der Mann gesehen

Dem keiner gleicht;

Hast du die braune volle Wange

Den Blick so schön,

So gut, so sanft, und in dem Gange

Den Stolz gesehn?

So strich, gieng er in sich versunken

Bewölkt den Blick,

Dacht er, von süßem Wahne trunken,

An mich zurück?

Wie oder malt im sanften Schimmer

Der um ihn glüht

Sich ihm ein Mädchen das auf immer

Ihn mir entzieht?

Doch eh, eh rief auf seinen Hügel

Den blassen Strahl,

Dann führten mich der Liebe Flügel

Hin an sein Maal.

Dann laß ich jammervollen Zähren,

Den freien Lauf.

Und bald, bald nehmen beßre Sphären

Zu ihm mich auf.