An meine Freunde

Johann Rudolf Zumsteeg

Eures Sophrons Seele, Freunde, trübt

In Schwermut sich.

Habt ihr Tränen, Freunde, habt ihr Tränen?

Weint für ihn.

Weint, mein Leben schleicht, ich zähle

Meiner Tage Lauf,

Nicht nach Jahren; jegliche Minute

Zähl' ich ab.

Flöh' es doch, mein banges Leben

Wie ein Seufzer weg,

Danken wollt' ich, meinem Schöpfer danken,

Daß es flieht.

Auch den Brunnen meiner Augen

Schloß mir die Natur,

Daß ich keine Trän' in meine Klagen

Mischen kann.

Tränen sind doch Lindrung, schaffe

Mich zur Träne um!

Schöpfer! glücklich wär', ich eine Träne,

Schmölz ich weg.

Und die Quelle meines Grames

Liegt in mir allein;

Bergen will ich sie, mir selber bergen,

Wenn ich kann.

Ich bin eine Saite, Lüftchen,

Hauche sie nicht an,

Ewig lockst du der Verspannten keinen

Wohllaut ab.

Ehmals floß von dieser Saite

Manche Harmonie,

Als ich an dem Busen meiner Freundinn

Fühlend lag.

Und ihr sanftes stilles Lächeln,

Das nur ich verstand,

Mich begeisternd oft zum tiefen, ernsten

Denker schuf.

Komm, mein Arzt, o Schlummer, wiege

Mich in meinem Gram,

Wach ich wieder auf, so sei's der Morgen

Jener Welt!