Beruhigung

Johann Rudolf Zumsteeg

Wo durch dunkle Buchengänge

Blasser Vollmondschimmer blinkt,

Wo um schroffe Felsenhänge

Sich die Epheuranke schlingt,

Wo aus halbverfallnem Turme

Ein verlassnes Bäumchen ragt,

Und emporgescheucht vom Sturme,

Schauervoll die Eule klagt.

Wo um sterbende Gesträuche

Sich der graue Nebel dehnt,

Wo im trüben Erlenteiche

Trübes Rohr im Winde tönt,

Wo in wild verwachsnen Gründen

Dumpf der Waldstrom wiederhallt,

Und, ein Spiel den Abendwinden,

Welkes Laub auf Gräber wallt.

Wo im bleichen Sternenscheine

Um den frühverlornen Freund

Einsam im Zypressenhaine

Hoffnungslose Sehnsucht weint:

Da, da wandelt, von den Spielen

Angestaunter Torheit fern,

Unter ahndenden Gefühlen,

Schwermut, dein Vertrauter gern!

Da erfüllt ein stilles Sehnen

Nach des Grabes Ruh sein Herz,

Da ergießt in heißen Tränen

Sich der Seele banger Schmerz,

Und sein Blick durchschaut die trübe

Zukunft, ruhig bis ans Grab,

Und es tönt: Gott ist die Liebe!

Jeder Stern auf ihn herab.