Blümen tausendschön

Johann Rudolf Zumsteeg

Es wächst ein Blümchen irrgendwo

Von Gott zum Labsal uns bescheert.

Sein Anblick macht die Herzen froh,

Und sein Besitzer hält es wert.

Wohl alle Guten sind bemüht

Ums Blümchen, was so selten blüht.

Es wächst heran auf mildem Beet'

In Gottes lieber Gartenflur,

Still, in bescheid'ner Maiestät,

Ein wahres Kleinod der Natur,

Ist paradiesisch anzusehn,

Und prangt vor tausend wunderschön.

Sein Kelch, mit Balsamduft gefüllt,

Haucht den Bewundrer magisch an.

Die Krone steht, von Gott enthüllt

In tausend Farben aufgetan;

Sie glänzt im Schatten durch das Tal,

Wie Edelstein im Sonnenstrahl.

Das Mägdlein, welches seine Brust

Mit diesem Kleinod schmücken kann,

Wird aller Menschen Ehr' und Lust,

Und eigen wünscht es jedermann.

Es ist kein Königsdiadem

So ehrenvoll und angenehm.

Der Jüngling, der's dort blühen sieht,

Strebt ihm vor Rang und Golde nach.

Du Mann, der sichs im Gärtchen zieht,

Bist reicher als ein Perser Schach.

Den Göttern gleich in Wort und Tat

Ist, wer das Zauberblümchen hat.

Ihr forscht nach dieses Kleinods Flur? -

Im Himmel ist sein Vaterland.

Hier tragen viel den Namen nur;

Das ächte kommt aus Gottes Hand.

Wer Frauensanftmut ächt geseh'n,

Der kennt das Blümchen tausendschön.