Daphne am Bach

Johann Rudolf Zumsteeg

Ich hab ein Bächlein funden

Vom Städtchen ziemlich weit,

Da bin ich manche Stunden

In stiller Einsamkeit.

Ich thät mir gleich erkiesen

Ein Plätzchen kühles Moos;

Da sitz' ich, und da fließen

Mir Thränen in den Schooß.

Für dich, für dich nur wallet

Mein jugendliches Blut;

Doch, leise nur erschallet

Dein Nam' an dieser Flut.

Ich fürchte, daß mich täusche

Ein Lauscher aus der Stadt;

Es schreckt mich das Geräusche

Von jedem Pappelblatt.

Ich wünsche mir zurücke

Den flüchtigsten Genuß;

In jedem Augenblicke

Fühl ich den Abschiedskuß.

Es ward mir wohl und bange,

Als mich dein Arm umschloß,

Als noch auf meine Wange

Dein letztes Thränchen floß!

Von meinem Blumenhügel

Sah ich dir lange nach;

Ich wünschte mir die Flügel

Der Täubchen auf dem Dach;

Nun glaub' ich zu vergehen

Mit jedem Augenblick.

Willst du dein Liebchen sehen,

So komme bald zurück!