Das Fischermädchen

Johann Rudolf Zumsteeg

Das Fischermädchen harret

Am Ufer auf und ab;

Sein müdes Auge starret

Die Wogenflut hinab.

Kein Schifflein war zu sehen,

Ach, Alles, Alles leer!

Kein Segel sah es wehen

Im großen, weiten Meer.

Sie maß die blauen Wogen,

Sie hofft' in ihrem Sinn,

All' ihre Blicke flogen

Zum fernen Eiland hin.

Den Trauten sah sie kommen

Vom fernen Eiland her,

Sein Schifflein kam geschwommen,

Durch's ungestüme Meer.

Die lauten Wellen brausen

Am nackten Felsenstrand,

Die Abendstürme saußen,

Das Schifflein, ach, verschwand!

Das Mädchen setzt sich nieder,

Sein Augen Tränenschwer:

"Gieb mir den Trauten wieder,

Du wildes falsches Meer!"