Der Einsiedler

Johann Rudolf Zumsteeg

Wo lebt' ich glücklicher verborgen,

Als unterm Úlmenschatten hier!

Es fliehen, fern von Gram und Sorgen,

In süßer Ruh die Tage mir.

Im edlen Selbstgenuße schwindet

Mein Leben ohne Sehnsuchtsglut,

Und meine heitre Seele findet

Im Frieden nur das höchste Gut.

Was mangelt mir zum Erdenglücke?

An Blum' und Frucht ist reich die Au;

Es kleidet meinem freien Blicke

Der Himmel sich in schön'res Blau.

Und wann Gewitter ihn umzogen,

Wann Hagel rauscht und Donner kracht,

So strahlt der milde Regenbogen

Bald Frieden durch die Wolkennacht.

Die Zwietracht herrscht im Weltgetümmel

Und jeden Schritt verfolgt der Schmerz;

Kaum lacht, o Einsamkeit! dein Himmel,

So kehret Ruh' in's bange Herz.

Seht ihr dort wilde Fluten schäumen

Und tobend über Klippen fliehn?

Besänftigt unter meinen Bäumen

Rinnt still dasselbe Wasser hin.